Modelle historischer Dachstühle im mittelalterlichen Speicherhaus

Im Jahre 2015 entdeckte man in Cheb (Eger), dass die Dächer der Patrizierhäuser auf dem Marktplatz einzigartig sind, denn nirgendwo in Europa gibt es noch ein derartig gut erhaltenes Ensemble an historischen Dachstühlen. Die Arbeit der Zimmerleute – aus einer Zeitspanne von mehr als sechs Jahrhunderten – ist hier unverändert erhalten geblieben.

2017 eröffnete deshalb der „Stiftungsfonds Historisches Eger“ hier eine Besuchertrasse.

Das Interesse an den Besichtigungen übertraf alle Erwartungen, nicht nur bei Experten, sondern auch bei Schulklassen und vielen Besuchern der Stadt. Schnell fanden diese Meisterwerke der Handwerkskunst auch Beachtung in den Nachbarländern. Cheb wurde seitdem zum idealen Ort für internationale Fachtagungen von Historikern, Architekten und Vertretern aus Universitäten und Museen.

Auch Zimmermeister Josef Hauer aus Parkstein (Kreis Neustadt) war von der Besichtigung begeistert. Er fertigte im Jahre 2018 zwei Modelle: die Dachstühle des Gablerhauses und der 700jährigen Kirche des Franziskanerklosters. Bei der feierlichen Übergabe als Geschenk an die Stadt durften die Besucher außerdem weitere Modelle besichtigen. Seit Josef Hauer aus Altersgründen seine Berufstätigkeit beendete, arbeitet er dennoch täglich in seiner Werkstatt. Die Leistungen der Zimmerleute vor Jahrhunderten haben ihn so begeistert, dass er begann, die Dachstühle berühmter Bauwerke originalgetreu als Modell nachzubauen. „Man kann heute nur den Kopf schütteln vor Staunen, was die damaligen Handwerkervor mehr als 500 Jahren für eine Leistung vollbracht haben – ganz ohne Maschinen! Sein größtes Modell ist der Dachstuhl der Münchener Liebfrauenkirche. Es besteht aus mehr als 3000 Einzelteilen, die er im Maßstab 1:18 mit historisch originalgetreuen Holzverbindungen zusammengefügt hat. Fast 12 Monate hat der 83jährige Josef Hauer, täglich von sieben Uhr bis zum Nachmittag um halb fünf, daran gearbeitet. Dieses einzigartige Werk, sowie 20 weitere Modelle historischer Dachstühle, sollen nun in dem mittelalterlichen Speicherhaus ausgestellt werden.

Zu einem Ortstermin kamen Josef Hauer, als Vertreter des bayerischen Zimmererhandwerks Karl Müller und als „Brückenbauer“ Günther Juba nach Cheb. Ihre Gesprächspartner waren Oberbürgermeister Antonín Jalovec, die Leiterin der Kulturabteilung Marcela Brabáčova, der Bauhistoriker Michal Panáček, sowie Vertreter der Stadtverwaltung und des Denkmalamtes. Das beeindruckende Ambiente des Speicherhauses erwies sich als idealer Ort für die geplante Ausstellung. Wer an einer Führung am Marktplatz teilgenommen hat, kann danach an diesen Modellen noch viel besser die Konstruktion von Dachstühlen überblicken.

Josef Hauer wünscht, dass Interessierte aus der Tschechischen Republik und auch aus Deutschland jederzeit die Möglichkeit erhalten, sein Werk zu besichtigen. Er stellte befriedigt fest: „Dieses historische Ambiente ist bestens geeignet, die Modelle zu präsentieren – und auch grenzüberschreitend im Sinne der Völkerverständigung zu wirken.“ In diesem Sinne hatte Zimmermeister Hauer dann eine besondere Überraschung für die Stadt: Alle seine Modelle will er Cheb (Eger) als Geschenk überlassen.

Oberbürgermeister Jalovec war darüber begeistert und bedankte sich mit den Worten: „Experten schätzen den Preis dieser Fachwerkmodelle auf rund zwei Millionen Kronen, aber ihre soziale Bedeutung auf der Ebene der tschechisch-deutschen Partnerschaft und auch ihre pädagogische Wirkung sind noch viel größer.“

Josef Hauer will jetzt auch noch ein Modell des Egerer Speicherhauses bauen. Wenn diese Arbeit fertiggestellt ist, soll die Ausstellung feierlich eröffnet werden.

 

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